Meine Gedanken über Tiermedizin, Ernährung, unsere Böden – und darüber, warum wir wieder anfangen sollten, selbst hinzusehen
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Es gibt Entwicklungen, die mich zunehmend nachdenklich machen.
Nicht, weil ich grundsätzlich gegen moderne Medizin bin. Nicht, weil ich Tierärzte für überflüssig halte. Und schon gar nicht, weil ich glaube, dass wir jede Erkrankung mit ein paar Kräutern, Mineralstoffen und guten Gedanken behandeln könnten.
Das wäre naiv – und manchmal sogar gefährlich.
Aber ich glaube, dass wir an einem Punkt angekommen sind, an dem wir uns eine andere Frage stellen sollten:
Kümmern wir uns eigentlich noch um Gesundheit – oder hauptsächlich um Krankheit?
Für mich besteht zwischen diesen beiden Dingen ein gewaltiger Unterschied.
Der (Tier-)arzt ist wichtig. Aber er kann nicht die gesamte Verantwortung übernehmen.
Ich möchte eines sehr deutlich voranstellen: Wir brauchen (Tier-)ärztinnen und (Tier-)ärzte.
Wir brauchen Diagnostik. Wir brauchen Laboruntersuchungen, Bildgebung, Chirurgie, Notfallmedizin und Medikamente. Es gibt Situationen, in denen ich nicht lange über alternative Möglichkeiten diskutieren würde, sondern mit meinem Hund in einer Praxis oder Klinik stehen möchte.
Das ist für mich kein Widerspruch zu einem natürlichen und ganzheitlichen Gesundheitsverständnis.
Was ich allerdings kritisch sehe, ist eine Entwicklung, bei der medizinische Intervention zunehmend mit Gesundheitsvorsorge verwechselt wird.
Eine Impfung ist eine medizinische Maßnahme. Ein Medikament ist eine medizinische Maßnahme. Ein therapeutisches Futtermittel kann eine medizinisch begründete Ernährungsmaßnahme sein.
All diese Dinge können sinnvoll sein.
Aber „kann sinnvoll sein“ ist etwas völlig anderes als „muss grundsätzlich gemacht werden“.
Ich wünsche mir deshalb mehr individuelle Entscheidungen.
Welche Impfungen braucht dieser Hund aufgrund seines Alters, seiner Lebensweise, seines Umfeldes und seines tatsächlichen Risikos?
Warum bekommt er dieses Medikament?
Was soll damit erreicht werden?
Welche Nebenwirkungen sind möglich?
Gibt es Alternativen?
Warum wird genau dieses Futter empfohlen – und passt dessen Zusammensetzung wirklich zu diesem Hund?
Diese Fragen zu stellen bedeutet für mich nicht, Medizin abzulehnen.
Es bedeutet, Verantwortung zu übernehmen.
Wenn aus Versorgung ein System wird
Was mir zusätzlich Sorgen bereitet, sind die steigenden Kosten tiermedizinischer Versorgung.
Gute medizinische Arbeit darf und muss angemessen bezahlt werden. Praxen haben Personal-, Geräte-, Labor-, Energie- und Betriebskosten. Das sollte man bei aller Kritik nicht vergessen.
Gleichzeitig erleben viele Tierhalter Rechnungen, die sie finanziell an ihre Grenzen bringen.
Und damit entsteht ein gesellschaftliches Problem.
Wenn Menschen beginnen müssen abzuwägen, ob sie sich eine notwendige Diagnostik ihres Tieres überhaupt leisten können, sollten wir darüber sprechen dürfen.
Gleichzeitig wünsche ich mir, dass Diagnostik wieder stärker dazu dient, herauszufinden, warum etwas geschieht, statt lediglich Symptome nacheinander zu bearbeiten.
Denn ein Körper besteht nicht aus voneinander unabhängigen Einzelteilen.
Der Darm hat Einfluss auf andere Systeme. Ernährung beeinflusst Stoffwechselprozesse. Nährstoffe werden für unzählige körperliche Funktionen benötigt. Bewegung, Stress, Schlaf und Lebensumfeld spielen eine Rolle.
Gesundheit entsteht aus Zusammenhängen.
Genau dort beginnt für mich Ganzheitlichkeit.
Und dann schauen wir auf unseren Teller
Das Thema endet für mich nicht beim Hund.
Schauen wir auf unsere Landwirtschaft.
Böden müssen enorme Leistungen erbringen. Hohe Erträge, wirtschaftlicher Druck, spezialisierte Anbausysteme, intensive Nutzung und regional enge Fruchtfolgen stehen den natürlichen Regenerationsprozessen gegenüber.
Dabei ist Boden nicht einfach nur braune Masse, in die wir eine Pflanze stecken.
Boden lebt.
In ihm befinden sich Pilze, Bakterien, Mikroorganismen, Mineralien, organisches Material und komplexe ökologische Beziehungen.
Eine Pflanze beginnt nicht im Supermarkt - sie beginnt im Boden.
Und deshalb sollten uns Bodengesundheit, Humusaufbau, Fruchtfolgen, Biodiversität und regenerative Landwirtschaft unmittelbar interessieren.
Interessant ist in diesem Zusammenhang beispielsweise die Diskussion um deutschen Weizen. In den vergangenen Jahren wurden sinkende durchschnittliche Rohproteingehalte beobachtet. Wetterbedingungen, Sortenwahl und Stickstoffversorgung spielen dabei eine Rolle.
Das bedeutet nicht, dass deutscher Weizen plötzlich „unbrauchbar“ wäre. Backqualität lässt sich auch nicht allein am Proteingehalt festmachen.
Aber es zeigt etwas Entscheidendes:
Die Qualität unserer Nahrung entsteht lange bevor sie Nahrung genannt wird.
Sie entsteht auf und in der Erde.
Gleichzeitig entfernen wir uns immer weiter vom ursprünglichen Lebensmittel
Auf der anderen Seite stehen hochverarbeitete Lebensmittel.
Produkte mit langen Zutatenlisten, zugesetzten Zuckern, Aromen und unterschiedlichsten technologischen Verarbeitungsschritten gehören für viele Menschen selbstverständlich zum Alltag.
Und auch hier möchte ich nicht in Schwarz und Weiß denken.
Nicht jedes verarbeitete Lebensmittel ist schlecht.
Nicht alles aus einer Manufaktur ist automatisch gut.
Und „natürlich“ bedeutet nicht automatisch „gesund“.
Aber vielleicht sollten wir wieder häufiger fragen:
Was esse ich da eigentlich?
Woher kommt es?
Wie wurde es hergestellt?
Was liefert es meinem Körper?
Und brauche ich dieses Produkt wirklich – oder wurde es vor allem so entwickelt, dass ich möglichst gerne und möglichst viel davon esse?
Beim Hundefutter stelle ich mir dieselben Fragen
Auch beim Hund ist ein riesiger Markt entstanden.
Säcke mit wunderschönen Bildern von Fleisch, Gemüse, Kräutern und Natur stehen in kilometerlangen Regalen.
Aber ein schönes Etikett ernährt keinen Hund.
Entscheidend sind Zusammensetzung, Rohstoffe, Verarbeitung, Bedarfsdeckung, Verträglichkeit und letztlich der individuelle Hund.
Verarbeitungsprozesse können empfindliche Nährstoffe beeinflussen. Deshalb werden Alleinfuttermitteln teilweise Vitamine und Spurenelemente zugesetzt, um eine bedarfsgerechte Versorgung sicherzustellen.
Das ist zunächst weder gut noch schlecht.
Aber es ist ein Grund mehr, genauer hinzusehen.
Ich persönlich schätze Hersteller und kleinere Manufakturen, bei denen nachvollziehbar bleibt, was verarbeitet wird, wo Rohstoffe herkommen und welche Philosophie hinter einem Produkt steht.
Nicht weil „klein“ automatisch besser bedeutet.
Sondern weil Transparenz für mich einen Wert besitzt.
Dasselbe Problem begegnet uns beim Menschen
Auch unser Gesundheitssystem empfinde ich zunehmend als belastet (und auch belastend).
Das ist für mich inzwischen keine abstrakte Diskussion mehr.
Mein eigener Hausarzt schließt seine Praxis. Dabei war ich in den vergangenen zehn Jahren so selten dort, dass ich die Besuche vermutlich an einer Hand abzählen könnte. Grund: es lohnt sich nicht mehr, eine Praxis für Kassenpatienten zu führen.
Und plötzlich stellt sich eine erstaunlich banale Frage:
Wo gehe ich eigentlich hin, wenn ich irgendwann einen Arzt brauche?
Viele Praxen nehmen keine neuen Patienten auf. Termine sind schwer zu bekommen. Gleichzeitig wird über Kosten, Wirtschaftlichkeit, Budgets und Einsparungen gesprochen.
Ich möchte auch hier nicht einzelne Ärztinnen und Ärzte verantwortlich machen.
Viele arbeiten selbst unter einem enormen Druck.
Vielleicht liegt genau darin das eigentliche Problem.
Wir haben Systeme geschaffen, in denen diejenigen, die helfen sollen, immer weniger Zeit haben – und diejenigen, die Hilfe benötigen, immer häufiger das Gefühl bekommen, eine Nummer zu sein.
Und spätestens hier sollten wir uns fragen:
Was können wir selbst tun?
Vielleicht beginnt Gesundheit viel früher
Für mich beginnt Gesundheit nicht erst beim Arzt oder Tierarzt.
Sie beginnt jeden Tag.
Mit dem, was wir essen.
Mit dem, was unser Hund frisst.
Mit Bewegung.
Mit Schlaf.
Mit Licht und Natur.
Mit unserem Umgang mit Stress.
Mit sozialen Beziehungen.
Mit einem funktionierenden Darm.
Mit einer bedarfsgerechten Versorgung mit Vitaminen, Mineralstoffen, Spurenelementen, Proteinen, Fettsäuren und anderen notwendigen Nährstoffen.
Nicht nach dem Prinzip:
Viel hilft viel.
Sondern nach dem Prinzip:
Was braucht dieser Organismus tatsächlich?
Denn auch Vitamine und Mineralstoffe sollte man nicht wahllos zuführen. Ein Mangel kann problematisch sein – ein Zuviel ebenfalls.
Ganzheitlichkeit bedeutet für mich deshalb nicht, morgens eine Handvoll Nahrungsergänzungsmittel zu schlucken.
Ganzheitlichkeit bedeutet, verstehen zu wollen.
Und genau hier kommt für mich ein schamanischer Grundgedanke ins Spiel
Schamanismus bedeutet für mich nicht, moderne Medizin abzulehnen.
Ganz im Gegenteil.
Ein wesentlicher Gedanke dahinter ist für mich die Verbindung.
Die Verbindung zwischen Mensch und Natur.
Zwischen Tier und Umwelt.
Zwischen Körper und Geist.
Zwischen Nahrung und Erde.
Zwischen dem, was wir tun, und den Folgen unseres Handelns.
Unsere Vorfahren konnten nicht für jedes Problem eine Tablette aus einer Schublade holen.
Sie mussten beobachten.
Sie mussten Pflanzen kennen.
Jahreszeiten verstehen.
Tiere beobachten.
Sie mussten wissen, wann etwas wächst, wann etwas ruht und wann ein Organismus Unterstützung benötigt.
Natürlich war damals nicht alles besser.
Menschen starben an Erkrankungen, die heute behandelbar sind. Infektionen, Verletzungen und Mangelzustände hatten oftmals dramatische Folgen. Die moderne Medizin hat unzählige Leben gerettet.
Ich möchte deshalb nicht hundert Jahre zurück.
Ich möchte etwas von dem Wissen und der Haltung zurückholen, die wir auf dem Weg in die Moderne verloren haben.
Und sie mit dem verbinden, was wir heute wissen.
Das ist für mich der entscheidende Unterschied.
Nicht zurück in die Vergangenheit. Sondern bewusster in die Zukunft.
Vielleicht brauchen wir nicht weniger Wissenschaft.
Vielleicht brauchen wir sogar mehr davon.
Aber wir brauchen auch Menschen, die bereit sind, Fragen zu stellen.
Wir dürfen einen Laborwert verstehen wollen.
Wir dürfen nachfragen, warum ein Medikament notwendig ist.
Wir dürfen uns eine zweite Meinung holen.
Wir dürfen die Zusammensetzung eines Futters lesen.
Wir dürfen fragen, woher unser Gemüse kommt.
Wir dürfen uns mit Heilpflanzen beschäftigen.
Wir dürfen lernen, wie unser Körper funktioniert.
Wir dürfen unseren Hund beobachten, bevor aus kleinen Veränderungen große Probleme werden.
Und wir dürfen einem Experten auch einmal sagen:
„Erklär mir bitte, warum.“
Das ist keine Respektlosigkeit.
Das ist Verantwortung.
Wir haben etwas unglaublich Wertvolles bekommen: unseren Verstand.
Vielleicht ist genau das für mich der wichtigste Punkt dieses ganzen Themas.
Wir müssen nicht alles glauben.
Aber wir sollten genauso wenig reflexartig alles ablehnen.
Wir können lernen.
Wir können lesen.
Wir können verschiedene Quellen vergleichen.
Wir können beobachten.
Wir können Fragen stellen.
Wir können eine Entscheidung treffen – und sie verändern, wenn neue Erkenntnisse dazukommen.
Kritisches Denken bedeutet nicht, grundsätzlich dagegen zu sein.
Es bedeutet, nicht automatisch dafür zu sein.
Und genau diese Fähigkeit sollten wir wieder viel stärker nutzen.
Für uns.
Für unsere Hunde.
Und vielleicht auch für die Erde, von der am Ende alles kommt.
Denn Gesundheit ist für mich kein Produkt, das wir kaufen können.
Sie ist auch keine Dienstleistung, die wir vollständig an einen Arzt, Tierarzt, Therapeuten oder Hersteller delegieren können.
Gesundheit ist etwas, an dem wir jeden Tag beteiligt sind.
Mit unseren Entscheidungen.
Mit unserem Wissen.
Mit unserer Aufmerksamkeit.
Und mit unserer Bereitschaft, wieder eine Verbindung zu dem aufzubauen, was uns eigentlich trägt.
Zur Natur. Zu unseren Tieren. Zu unserem eigenen Körper. Und zu uns selbst.
Du möchtest einen anderen Weg gehen?
Vielleicht hast du beim Lesen an der einen oder anderen Stelle gedacht: Genau das beschäftigt mich auch. Aber wo fange ich an?
Ganzheitliche Gesundheitsvorsorge bedeutet nicht, Tiermedizin abzulehnen. Es bedeutet für mich, wieder genauer hinzusehen, Zusammenhänge verstehen zu wollen und bewusste Entscheidungen für sich und seinen Hund zu treffen.
Genau dabei begleite ich dich gerne.
Ob Ernährung, Nährstoffversorgung, Darmgesundheit, natürliche Unterstützung oder einfach die Frage, welche Möglichkeiten es neben den gewohnten Wegen noch gibt – gemeinsam schauen wir auf deine individuelle Situation und darauf, welche nächsten Schritte sinnvoll sein könnten.
Dabei geht es nicht darum, dir eine bestimmte Richtung vorzuschreiben oder dir möglichst viele Produkte zu verkaufen.
Es geht darum, Wissen zu schaffen, Möglichkeiten aufzuzeigen und deinen eigenen Weg zu finden.
Wenn du das Gefühl hast, dass es Zeit ist, Gesundheit für dich und deine Hund wieder bewusster und ganzheitlicher zu betrachten, melde dich gerne bei mir.
Manchmal beginnt Veränderung mit einer einzigen Frage.
Herzlichst
Ingo von JORDWYN
Natürlich. Ganzheitlich. Verbunden.